SPAM-Filter auch für Briefe und Postkarten — Deutsche Post erweitert ihr Angebot

Holger Rettig, Unternehmer aus Hamburg ärgert sich: „Jeden Tag verbringe ich 1–2 Stunden nur damit, Werbepost und andere unnötige Zustellungen auszusortieren. Zudem ist meine Sekretärin aufgrund einer Fehldiagnose krankgeschrieben.

In letzter Zeit häufen sich derartige Klagen. Was bei E-Mails längst selbstverständlich ist, soll nur auch für die Postzustellung gelten: Ein SPAM-Filter. Doch wie soll das in der Praxis aussehen?

Wilhelm Augustus, Zusteller seit 25 Jahren: „Also, im Testbetrieb läuft das schon ganz gut. Besonders einfach sind SPAM-Postkarten zu identifizieren. Wenn mir z.B. auffällt, dass die zigste Postkarte aus Mallorca an die immer gleiche Adresse mit irgendwelchen Urlaubsgrüßen und der selben Unterschrift zugestellt werden soll, fische ich die einfach heraus. Das erspart dem Adressaten schon einiges. Deutlich schwieriger wird es bei Briefen, aber oft erkenne ich schon hier im ersten Absatz, ob der Inhalt für den Empfänger relevant ist.

Wie verhält es sich mit Päckchen und Paketen?

Hans Wölkentrimmer, Chef der Postfiliale in Hamburg-Stillhorn: „Bisher gehen wir davon aus, dass SPAM-Pakete eher selten sind. Das ist für die meisten dann doch zu aufwändig und zu teuer. Aber wir prüfen in Zusammenarbeit mit einem Marktforschungsunternehmen aus der Schweiz, ob es hier auch zu Beschwerden kommt. Wenn sich das ebenfalls häuft, werden wir auch hier nachlegen müssen.“

Wie soll das dann aussehen?

H. Wölkentrimmer: „Im Grunde genauso wie bei den Briefen, nur dass unsere Zusteller die Pakete dann eben nicht erst unterwegs öffnen können.

Demnächst mit SPAM-Filter? (Bildquelle: Wikipedia)

Dennoch erreichen doch alle Zustellungen zunächst das Postverteilungszentrum und werden erst später vom Zusteller aussortiert. Gibt es denn keine Möglichkeit, hier bereits im Vorfeld zu filtern?

Dazu nochmal Hans Wölkentrimmer: „Das ist in der Tat ein großes Problem, zumal auf diesem Wege Personal und andere Ressourcen gebunden werden. Viele Sendungen werden ja sogar erst zum Zustellungsort befördert, bevor dann die aufwändige Aussortierung beginnt, da unsere geschulten Zusteller bisher am besten als SPAM-Bearbeiter geeignet scheinen. Schließlich kennen die ja meist die Adressaten persönlich, besonders auf dem Lande. Aktuell prüfen wir eine Art Scanner im Briefkastenschlitz, der bereits beim Einwerfen auf bestimmte Keywords prüft. Im Laufe der Zeit werden wir da auch sicher besser. Die Liste der Keywords ist bisher noch recht beschränkt und auch nicht immer zuverlässig. Letzte Woche beschwerte sich ein Arzt, dass eine Nebenwirkungsbeschreibung eines Viagra-Medikaments bei ihm nicht eingetroffen ist. Tja, das lag dann wohl am Keyword.

Wie wird es sich bei dem neuen Angebot mit den Kosten verhalten?

Gertrude Holsten, Marketingberaterin bei der Deutschen Post: „Die Kunden sind es ja gewohnt, dass eine Art Standard-Version kostenlos angeboten wird. Ob wir das bei diesem Service auch einhalten können, lässt sich noch nicht genau sagen, zumal wir uns ja erst im Testbetrieb befinden. Auf jeden Fall wird es auch hier eine Advanced-Version mit verschiedenen Abo-Modellen geben, so dass sich diejenigen, die sich das etwas kosten lassen, auch sicher sein können, dass sie in Zukunft von SPAM-Briefen und Postkarten unbehelligt bleiben.

Das heißt, diejenigen, die es sich nicht leisten können, werden weiterhin mit SPAM-Post belästigt?

Nochmal Frau Gertrude Hosten: „Das wird vermutlich sogar noch zunehmen. Auch wir denken darüber nach, unser Werbepost-Angebot zu intensivieren. Der Service, davon unbehelligt zu bleiben, wird schon was kosten…

Ist das Ganze denn EU-Konform?

G. Hosten: „Wir arbeiten hier eng mit den Behörden zusammen und sind uns sicher, dass auch unsere europäischen Nachbarn dieses Konzept übernehmen werden. Natürlich werden wir darauf achten, dass unsere Zusteller in die Lage versetzt werden, auch Briefe und Postkarten aus anderssprachigen Ländern zu interpretieren. Auch die Keyword-Liste wird dann entsprechend erweitert.

#Satire ;-)

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